EU-Verbrenner-Aus 2035: Was sich jetzt ändern könnte – Alle Fakten im Überblick
- Silvia Josten

- 13. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Die Debatte um das Verbrenner-Aus in der EU nimmt eine überraschende Wendung. Aus Brüssel sickern Details durch, die auf eine mögliche Lockerung der strengen CO2-Vorgaben für Neuwagen hindeuten. Was bedeutet das für Autofahrer, die Industrie und den Klimaschutz? Wir klären die wichtigsten Fragen.
Verbrenner nach 2035: EU-Kommission plant Kurswechsel
Ursprünglich sollte ab 2035 Schluss sein mit der Neuzulassung von Verbrennungsmotoren in der EU. Doch nun deutet sich an, dass die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen ihre Position überdenken könnte. Laut Berichten aus Kommissionskreisen arbeitet Brüssel an Vorschlägen, die eine Abschwächung der bisherigen CO2-Vorgaben vorsehen.
Das würde konkret bedeuten: Auch nach 2035 könnten unter bestimmten Bedingungen noch Neuwagen mit Verbrennertechnologie zugelassen werden. Die genauen Details sollen am kommenden Dienstag offiziell präsentiert werden.
Merz begrüßt neue EU-Pläne zum Verbrenner-Aus
Bundeskanzler Friedrich Merz zeigt sich offen für den angekündigten Kurswechsel. In Heidelberg betonte er, dass die Klimaziele nicht infrage gestellt würden, man aber einen anderen Weg einschlagen müsse. Seine Botschaft ist klar: Das Ziel bleibt, der Weg dorthin soll flexibler werden.
Die Pläne der EU-Kommission, das sogenannte Verbrenner-Aus zurückzunehmen, stoßen in Deutschland auf breite Zustimmung. Knapp zwei Drittel der Deutschen unterstützen das Vorhaben, wie eine repräsentative Umfrage zum ZDF-„Politbarometer“ ergab.
Demnach sind 63 Prozent der Meinung, dass auch nach 2035 noch Autos mit Verbrennungsmotoren neu zugelassen werden sollten. Gut ein Drittel (32 Prozent) der Befragten ist dagegen.

Was plant die EU-Kommission genau?
„Wir wollen an unseren Zielen festhalten, müssen dabei aber alle jüngsten geopolitischen Entwicklungen berücksichtigen. Wir müssen darauf achten, unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden und gleichzeitig der europäischen Industrie helfen, ihren technologischen Vorsprung zu halten“, sagte der griechische Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas dem Handelsblatt. „Deshalb prüfen wir auch, wie wir die europäische Automobil-Wertschöpfungskette am besten stärken können – etwa durch gezielte EU-Präferenzkriterien.“
Während die endgültigen Vorschläge erst nächste Woche vorgestellt werden, zeichnen sich mehrere Schwerpunkte ab:
Mögliche Ausnahmen für Verbrenner: Die Kommission prüft, unter welchen Bedingungen Verbrennungsmotoren auch nach 2035 erlaubt sein könnten. Dabei ist noch unklar, ob dies nur für Plug-in-Hybride und E-Autos mit Range-Extendern gilt oder auch für klassische Diesel- und Benzinfahrzeuge.
Rolle alternativer Kraftstoffe: Umweltfreundlichere Kraftstoffe wie Biokraftstoffe könnten eine wichtigere Rolle spielen. Die EU will prüfen, wie diese zur Erreichung der Klimaziele beitragen können.
Firmenwagen und Produktion: Auch Regelungen für Dienstwagen sowie mögliche Vorgaben für Produktionsanteile innerhalb der EU stehen auf der Agenda.
Neue Batteriestrategie: Parallel soll eine umfassende Batteriestrategie vorgestellt werden, um die europäische Wettbewerbsfähigkeit in diesem Bereich zu stärken.
Wie ist der weitere Zeitplan?
Nach der Präsentation am Dienstag müssen die Vorschläge vom Kollegium der Kommissarinnen und Kommissare verabschiedet werden. Änderungen sind bis dahin noch möglich. Anschließend haben das Europaparlament und die EU-Mitgliedstaaten das Wort. Beide Institutionen können die Pläne abschwächen oder verschärfen, bevor eine finale Entscheidung mit ausreichender Mehrheit getroffen wird.
Experten skeptisch: Verliert Europa den Anschluss?
Die Reaktionen aus der Wissenschaft fallen überwiegend kritisch aus. Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research in Bochum warnt, dass Europa im Wettbewerb mit China eher Zeit verliere als gewinne. Er spricht von einem faulen Kompromiss, der der europäischen Autoindustrie langfristig schaden könnte.
Auch andere Forscher zweifeln daran, dass Änderungen an den CO2-Vorgaben mehr als eine kurzfristige Erleichterung bringen. Die Entwicklung hin zur Elektromobilität sei bereits in vollem Gange, und ein Zurückrudern könnte die europäische Industrie in ihrer Innovationskraft bremsen.
Gegenstimme: Wettbewerbsfähigkeit erhalten
Anders sieht es Achim Kampker, Professor an der RWTH Aachen. Er hält eine Lockerung der Ziele für sinnvoll, um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller zu sichern. Allerdings betont er, dass parallel dazu die Rahmenbedingungen für Batterie- und Wasserstofftechnologie in Deutschland deutlich verbessert werden müssten.
Spagat zwischen Klimaschutz und Industrie
Die EU steht vor einem Dilemma: Einerseits sollen ambitionierte Klimaziele erreicht werden, andererseits kämpft die europäische Autoindustrie mit massiven Herausforderungen. Der angekündigte Kurswechsel beim Verbrenner-Aus könnte ein Versuch sein, beide Interessen unter einen Hut zu bringen.
Ob dies gelingt und wie die konkreten Vorschläge aussehen werden, zeigt sich am kommenden Dienstag. Fest steht: Die Weichen für die Zukunft der Mobilität in Europa werden neu gestellt – mit weitreichenden Folgen für Verbraucher, Industrie und Klima.




Kommentare