top of page

Verbrenner-Aus verschoben: Chance oder Dämpfer für den deutschen Autohandel?

  • Autorenbild: Silvia Josten
    Silvia Josten
  • 15. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Neuwagen auf großer Parkfläche

Die EU-Kommission plant eine Kehrtwende beim Verbrenner-Aus 2035. Während Politik und Industrie diskutieren, stellt sich für den deutschen Autohandel eine entscheidende Frage: Ist die mögliche Lockerung der CO2-Vorgaben eine Chance oder ein Dämpfer für die Branche? Wir analysieren die Auswirkungen auf Autohäuser, Händler und Kunden.


Autohandel zwischen zwei Welten

Der deutsche Autohandel befindet sich seit Jahren im Umbruch. Massive Investitionen in E-Mobilität, Schulungen der Mitarbeiter, Umbau der Werkstätten und neue Verkaufsstrategien – viele Händler haben bereits Millionen in die elektrische Zukunft investiert. Die Automobilbranche lehnt das geplante Neuzulassungsverbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2035 ab. Sie sieht darin eine Gefahr für dringend benötigte Investitionen und befürchtet, dass das Vertrauen in die Zuverlässigkeit politischer Entscheidungen geschwächt wird. Nun könnte die EU den Zeitplan für das Verbrenner-Aus lockern. Was bedeutet das konkret für die Autohäuser vor Ort?


Kurzfristige Erleichterung: Mehr Luft zum Atmen

Für viele Händler könnte die Nachricht zunächst Erleichterung bedeuten. Die Realität auf den Höfen zeigt: Verbrenner verkaufen sich nach wie vor deutlich besser als E-Autos. Besonders im ländlichen Raum und bei gewerblichen Kunden dominieren Diesel und Benziner weiterhin das Geschäft.


Vorteile für den Handel:

Planungssicherheit: Händler müssen nicht mehr befürchten, ab 2035 auf einem Lager voller unverkäuflicher Verbrenner sitzen zu bleiben. Das schafft Investitionssicherheit.

Kundenwünsche erfüllen: Viele Käufer sind noch nicht bereit für den E-Auto-Umstieg. Ladeinfrastruktur, Reichweite und Anschaffungskosten schrecken ab. Mit verlängerten Zulassungsmöglichkeiten können Händler weiterhin das verkaufen, was Kunden wirklich wollen.

Gebrauchtwagenwerte stabilisieren: Die Angst vor einem drastischen Wertverlust bei Verbrennern könnte schwinden. Das stärkt das lukrative Gebrauchtwagengeschäft.

Werkstatt-Auslastung: Verbrenner bedeuten Wartung, Reparatur und Service. Diese Einnahmequelle bleibt länger erhalten.


Langfristige Risiken: Verschlafene Transformation?

Doch die vermeintliche Atempause könnte sich als gefährliche Falle entpuppen. Experten wie Ferdinand Dudenhöffer warnen, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb den Anschluss verliert. Was bedeutet das für den Handel?


Gefahren für den Autohandel:

China überholt Europa: Während deutsche Händler weiter auf Verbrenner setzen, erobern chinesische E-Auto-Marken den Weltmarkt. Wer heute nicht in E-Mobilität investiert, könnte morgen komplett abgehängt sein.

Verpasste Marktchancen: E-Autos werden trotz EU-Lockerung global weiter wachsen. Händler, die sich nicht rechtzeitig positionieren, verlieren Marktanteile an spezialisierte E-Mobility-Anbieter.

Zweimalige Transformation: Wer jetzt eine Pause einlegt, muss die kostspielige Umstellung später trotzdem durchführen – möglicherweise unter noch größerem Zeitdruck und mit veralteter Infrastruktur.

Markenwechsel droht: Kunden, die heute ein E-Auto kaufen wollen, wechseln zu Händlern mit besserer E-Kompetenz. Einmal verloren, kommen diese Kunden selten zurück.


Was sagen Brancheninsider zum Verbrenner-Aus auf Raten?

Die Meinungen im deutschen Autohandel sind gespalten. Händlerverbände begrüßen mehrheitlich die Flexibilität, warnen aber gleichzeitig vor falscher Sicherheit. Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) betont, dass die Transformation weitergehen müsse – nur eben praxisnäher und kundenorientierter.

Einzelne Händler berichten von der Zerrissenheit: Einerseits freut man sich über Planungssicherheit und stabile Umsätze mit Verbrennern. Andererseits wächst die Angst, den richtigen Zeitpunkt für die Transformation zu verpassen.


Plug-in-Hybride: Der goldene Mittelweg?

Sollte die EU besonders Plug-in-Hybride und Range-Extender begünstigen, könnte dies für Händler tatsächlich eine Chance sein. Diese Technologie verbindet vertraute Verbrenner-Technik mit elektrischer Mobilität und entspricht dem aktuellen Kundenverhalten.

Händler könnten so schrittweise ihre Expertise aufbauen, ohne sofort voll auf reine E-Mobilität setzen zu müssen. Das Werkstattgeschäft bleibt teilweise erhalten, während gleichzeitig E-Kompetenz aufgebaut wird.


Handlungsempfehlungen für Autohändler

Nicht in Schockstarre verfallen: Auch bei gelockerten Vorgaben bleibt die E-Mobilität die Zukunft. Wer jetzt die Transformation stoppt, riskiert langfristig die Existenz.

Zweigleisig fahren: Nutzen Sie die gewonnene Zeit klug. Verkaufen Sie Verbrenner, wo Kunden sie wünschen, aber bauen Sie parallel E-Kompetenz auf.

In Mitarbeiter investieren: Schulen Sie Ihr Team kontinuierlich in E-Mobilität. Nur kompetente Beratung überzeugt skeptische Kunden.

Ladeinfrastruktur aufbauen: Auch wenn weniger Druck herrscht – Ladestationen am Autohaus werden zum Standard. Wer heute investiert, hat morgen einen Wettbewerbsvorteil.

Kundenbedürfnisse im Blick: Analysieren Sie genau, was Ihre Kunden brauchen. Regionale Unterschiede sind enorm – in Ballungsräumen läuft E-Mobilität oft schon gut.


Chance mit Verfallsdatum

Die mögliche Lockerung des Verbrenner-Aus ist für den deutschen Autohandel eine Chance mit Verfallsdatum. Kurzfristig verschafft sie Luft zum Atmen und ermöglicht eine kundenorientiertere Transformation. Langfristig bleibt aber klar: Der Weg führt zur E-Mobilität.

Gewinner werden jene Händler sein, die die gewonnene Zeit nicht als Pause verstehen, sondern als strategische Chance zur planvollen Transformation. Verlierer sind diejenigen, die sich in falscher Sicherheit wiegen und die Zeichen der Zeit ignorieren.

Die Botschaft an den deutschen Autohandel lautet: Nutzt die Flexibilität, aber verliert das Ziel nicht aus den Augen. Die automobile Revolution lässt sich nicht aufhalten – nur klug gestalten.


Sie möchten Ihren Autohandel transformieren und optimal für die Zukunft aufstellen? Wir beraten Sie unverbindlich und zeigen Ihnen Ihre Möglichkeiten.



Kommentare


bottom of page