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Automarkt-Ausblick 2026: VAD rechnet mit Markt-Rückgang trotz E-Auto-Wachstum

  • Autorenbild: Silvia Josten
    Silvia Josten
  • 23. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Detailaufnahmen von Neuwagen im Autohaus

Der deutsche Automobilmarkt steht vor einem herausfordernden Jahr 2026. Der Verband der Automobilhändler Deutschlands (VAD) zeichnet ein ernüchterndes Bild für die kommenden zwölf Monate und prognostiziert einen Rückgang der Neuzulassungen. Diese düstere Einschätzung unterstreicht die anhaltenden Schwierigkeiten einer Branche, die seit Jahren mit strukturellen Veränderungen, politischen Unsicherheiten und wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen hat.


Rückläufige Neuzulassungen im Fokus

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Für 2026 rechnet der VAD mit lediglich 2,5 Millionen neu zugelassenen Fahrzeugen in Deutschland. Im Vergleich zu den für Ende 2025 erwarteten 2,7 Millionen Einheiten bedeutet dies einen spürbaren Rückgang um rund 200.000 Fahrzeuge. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass der deutsche Automarkt weiterhin unter Druck steht und von einem nachhaltigen Aufschwung noch weit entfernt ist.

Während die Neuzulassungen zurückgehen, zeigt sich der Gebrauchtwagenmarkt hingegen robust. Mit prognostizierten 6,5 Millionen Besitzumschreibungen soll dieser Bereich stabil bleiben und sogar leicht über dem für 2025 erwarteten Niveau von 6,3 Millionen liegen. Diese Diskrepanz zwischen Neu- und Gebrauchtwagen deutet darauf hin, dass viele Verbraucher angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten und hoher Preise bei Neufahrzeugen auf gebrauchte Alternativen ausweichen.


Elektromobilität wächst – aber langsam

Ein bemerkenswerter Aspekt der Prognose betrifft den Anteil der batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) an den Neuzulassungen. Der VAD geht davon aus, dass sich dieser Anteil auf etwa 25 Prozent entwickeln wird. Während dies grundsätzlich ein Wachstum gegenüber dem aktuellen Niveau darstellt, bleibt die Dynamik hinter den ursprünglichen politischen Zielen und den Erwartungen vieler Marktteilnehmer zurück.

Die schleppende Entwicklung der Elektromobilität hat vielfältige Ursachen: Hohe Anschaffungskosten, Reichweitenängste, eine nach wie vor unzureichende Ladeinfrastruktur und die Unsicherheit über die künftige Förderpolitik bremsen viele potenzielle Käufer aus. Der Wegfall der Kaufprämie für Elektrofahrzeuge hat die Situation zusätzlich verschärft und die Nachfrage spürbar gedämpft.


Politik in der Pflicht: Rahmenbedingungen verbessern

Der VAD macht deutlich, dass die aktuelle Marktsituation auch das Resultat politischer Versäumnisse ist. VAD-Präsident Burkhard Weller fordert von der Politik ein grundlegend neues Mindset und vor allem zügiges Handeln. Die zentrale Botschaft: Individuelle Mobilität dürfe nicht länger verteufelt werden. Stattdessen brauche es eine positive Haltung zum Automobil als wichtigem Bestandteil der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft.

Konkret bedeutet dies nach Ansicht des Verbands einen angemessenen Ausbau der Infrastruktur – insbesondere der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Ebenso wichtig sei die Förderung von Ausbildung und Forschung im Automobilsektor. Nur durch solche Maßnahmen könne es gelingen, junge Menschen für Berufe rund um das Auto zu begeistern und dem Fachkräftemangel in der Branche zu begegnen.

Die Hoffnung auf schnelle politische Kurskorrekturen ist jedoch begrenzt. Die politischen Entscheidungsprozesse sind oft langwierig, und die verschiedenen gesellschaftlichen Interessengruppen vertreten teils diametral entgegengesetzte Positionen zur Zukunft der individuellen Mobilität.

Inwieweit die geplante Kaufprämie für Privatkäufe von Elektroautos im neuen Jahr den Markt ankurbelt, wird sich zeigen. Eine einfache Antragsstellung ist Voraussetzung für eine Kaufentscheidung im Autohaus.


Herausforderungen für den Automarkt

Der Autohandel selbst steht vor erheblichen Management-Herausforderungen. Eine zentrale Aufgabe wird es sein, den Absatz einer wachsenden Zahl elektrischer Gebrauchtwagen zu bewältigen. Diese Fahrzeuge drücken auf die Margen, da ihre Preisentwicklung schwer kalkulierbar ist und viele Käufer noch zurückhaltend reagieren.

Besonders kritisch sieht der VAD die Entwicklung der Restwerte, die weiter unter Druck geraten dürften. Die Herausforderung für Händler besteht darin, diese Restwerte sowohl bei Neu- als auch bei Gebrauchtwagen so zu managen, dass die Gesamtrendite positiv bleibt. Dies erfordert ein hohes Maß an Expertise und Fingerspitzengefühl.

Gleichzeitig betont Burkhard Weller, dass der Autohandel einen wichtigen Beitrag zur bezahlbaren Mobilität leisten könne. Dafür müsse er alle Potenziale zur Steigerung der Effizienz im Service ausschöpfen. Von den Herstellern fordert der VAD-Präsident, schneller mit günstigeren E-Autos auf den Markt zu kommen. Zudem dürften Kostensenkungsmaßnahmen der Hersteller nicht zu Lasten des Handels gehen.

Eine weitere unternehmerische Herausforderung stellt die Positionierung neuer Marken aus China dar. Chinesische Automobilhersteller drängen mit wettbewerbsfähigen Elektrofahrzeugen auf den europäischen Markt und erhöhen den Konkurrenzdruck zusätzlich.


Ausblick: Durststrecke ohne Besserung in Sicht

Die Prognose des VAD für 2026 zeichnet das Bild einer Branche in der Durststrecke. Ohne substanzielle Verbesserungen der politischen Rahmenbedingungen, ohne attraktivere und erschwinglichere Elektrofahrzeuge und ohne einen Mentalitätswandel in der Gesellschaft wird sich der deutsche Automarkt schwertun, wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückzufinden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Forderungen des Verbands Gehör finden und ob die Politik bereit ist, die notwendigen Weichen für eine positive Entwicklung zu stellen.

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