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Mindestens 3.000 Euro: Koalition einigt sich auf Kaufprämie für E-Autos

  • Autorenbild: Silvia Josten
    Silvia Josten
  • vor 6 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

autohaus bei Nacht von Aussen mit Grafik Geld

Die deutsche Bundesregierung setzt neue Akzente in der Verkehrswende: Nach intensiven Beratungen des Koalitionsausschusses in Berlin hat sich die schwarz-rote Koalition auf weitreichende Änderungen bei der Elektromobilität verständigt. Kernstück der Einigung ist die Wiedereinführung einer staatlichen Kaufprämie von mindestens 3.000 Euro für Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride.


Technologieoffenheit statt starrer Vorgaben

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verkündete nach den Koalitionsgesprächen eine klare Position: Deutschland will sich auf EU-Ebene für mehr Flexibilität beim geplanten Verbrenner-Aus ab 2035 einsetzen. "Wir wollen die Klimaziele technologieoffen erreichen", betonte Merz. Das Ziel sei eine Mobilität, die gleichzeitig Arbeitsplätze in der deutschen Automobilwirtschaft sichere.

Die Bundesregierung strebt an, dass auch nach 2035 neben rein batterieelektrischen Fahrzeugen weiterhin Autos mit doppeltem Antrieb zugelassen werden können. Gemeint sind damit sowohl Plug-in-Hybride als auch Elektrofahrzeuge mit sogenannten Range-Extendern – kleinen Verbrennungsmotoren, die die Reichweite elektrischer Fahrzeuge verlängern.


Klimaschutz durch Ausgleichsmaßnahmen

Um die Klimaziele nicht zu gefährden, setzt die Koalition auf einen innovativen Ansatz: Die verbleibenden Emissionen im Automobil- und Kraftstoffsektor sollen durch gezielte Maßnahmen ausgeglichen werden. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) erläuterte das Konzept: "Die Mehremissionen sollen etwa durch den Einsatz von grünem Stahl in der Automobilproduktion oder erneuerbare Kraftstoffe kompensiert werden." In der Summe bleibe die Klimawirkung der geltenden Regelung erhalten.

Diese pragmatische Position soll Deutschland mehr Handlungsspielraum in der europäischen Debatte verschaffen. Die EU-Kommission hatte bereits angekündigt, die Verordnung zum Verbrenner-Aus überprüfen zu wollen. Ein entsprechender Vorschlag wird für den 10. Dezember erwartet.


Kaufprämie als Impulsgeber für Elektromobilität

Die neue Kaufprämie von mindestens 3.000 Euro soll sowohl für Vollstromer als auch für Teilstromer gelten und die Nachfrage nach umweltfreundlichen Fahrzeugen ankurbeln. Nach dem Auslaufen der vorherigen Förderung waren die Neuzulassungen von Elektroautos zwar gestiegen, doch die CO2-Ziele drohen verfehlt zu werden. Die finanzielle Unterstützung könnte hier einen entscheidenden Unterschied machen.


Automobilbranche unter Druck

Hintergrund der Koalitionseinigung ist die angespannte Lage in der Autobranche. Viele Arbeitsplätze in Deutschland hängen nach wie vor am Verbrennungsmotor. Zudem drohen Herstellern Strafzahlungen, wenn sie die sogenannten CO2-Flottengrenzwerte verfehlen. SPD-Chef Lars Klingbeil betonte: "Wir kämpfen um jeden Industriearbeitsplatz. Die Zukunft der Autoindustrie ist elektrisch, aber es braucht mehr Technologieoptionen und Flexibilität."

Merz hatte bereits nach dem Autogipfel im Oktober deutlich gemacht, dass es 2035 keinen "harten Schnitt" geben dürfe. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilwirtschaft müsse erhalten bleiben, ohne dabei die Klimaschutzziele infrage zu stellen.


Was bedeutet das für den deutschen Autohandel?

Für den deutschen Autohandel bringt die Koalitionseinigung bedeutende Veränderungen mit sich. Die Wiedereinführung der Kaufprämie dürfte zunächst für eine spürbare Belebung der Nachfrage nach Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen sorgen. Autohändler können mit steigenden Besucherzahlen und Verkaufsgesprächen rechnen, da die Kaufprämie für viele Kunden den entscheidenden Anreiz zum Umstieg bietet.

Besonders erfreulich für den Handel: Die geplante Technologieoffenheit verschafft den Autohäusern mehr Flexibilität im Angebot. Statt sich ausschließlich auf reine Batteriefahrzeuge fokussieren zu müssen, können auch künftig Plug-in-Hybride als Brückentechnologie vermarktet werden. Dies erleichtert die Beratung von Kunden, die noch Reichweitenbedenken haben.

Allerdings steht der Autohandel vor der Herausforderung, seine Verkaufsteams entsprechend zu schulen und die Ladeinfrastruktur-Beratung zu intensivieren. Die Investitionen in Ausstellungsflächen, Lademöglichkeiten am Standort und technisches Know-how werden sich jedoch durch die zu erwartende Nachfragesteigerung dank der Kaufprämie auszahlen. Experten rechnen damit, dass die neue Förderung dem Handel nach schwierigen Monaten wieder Rückenwind verschafft.


BYV chinesisches Elektroauto als Testfahrzeug

Deutsche Hersteller im Wettbewerb mit chinesischen E-Auto-Marken

Die Kaufprämie kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für den deutschen Automarkt. Chinesische Hersteller wie BYD drängen mit zunehmender Aggressivität auf den europäischen Markt und setzen deutsche Autobauer massiv unter Druck. BYD, mittlerweile einer der weltweit größten Elektroautohersteller, bietet seine Modelle zu deutlich günstigeren Preisen an als vergleichbare deutsche Fahrzeuge.

Die Kaufprämie könnte deutschen Herstellern wie Volkswagen, BMW und Mercedes helfen, im Preiswettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben. Allerdings profitieren auch chinesische Importmarken von der Förderung, sofern ihre Fahrzeuge die Förderkriterien erfüllen. Dies könnte die Marktanteile chinesischer Anbieter in Deutschland weiter steigen lassen.

Experten warnen, dass die deutsche Autoindustrie beim Thema Elektromobilität bereits erheblichen Boden verloren hat. Chinesische Hersteller haben nicht nur bei der Batterietechnologie einen Vorsprung, sondern auch bei der Digitalisierung und den Produktionskosten. Die Technologieoffenheit der Bundesregierung, die auch Plug-in-Hybride weiterhin zulässt, könnte deutschen Herstellern mehr Zeit verschaffen, ihre E-Auto-Strategien zu optimieren.

Gleichzeitig bedeutet die Entscheidung aber auch, dass deutsche Autobauer ihre Investitionen nicht vollständig auf reine Elektrofahrzeuge konzentrieren müssen. Dies könnte sich langfristig als Nachteil erweisen, wenn chinesische Konkurrenten ihre Führungsposition bei reinen Elektroautos weiter ausbauen und die Technologieführerschaft übernehmen.


Kritik von Umweltverbänden

Während die Bundesregierung die Einigung als pragmatischen Kompromiss zwischen Klimaschutz und Industriepolitik feiert, sprechen Umweltverbände von einer "Rolle rückwärts" beim Klimaschutz. Sie befürchten, dass die Lockerungen beim Verbrenner-Aus die Transformation der Mobilität verzögern könnten.


Ist die Kaufprämie für E-Autos die Lösung?

Die deutsche Position muss sich nun auf europäischer Ebene bewähren. Nach der Vorlage des Kommissionsvorschlags können das Europaparlament und die EU-Staaten noch Änderungen vornehmen. Am Ende ist eine ausreichende Mehrheit in beiden Institutionen erforderlich. Deutschland hofft, mit seinem Ansatz der Technologieoffenheit bei gleichzeitigem Klimaschutz andere EU-Mitgliedstaaten überzeugen zu können.

Die Kaufprämie für E-Autos könnte bereits in den kommenden Monaten in Kraft treten und Verbrauchern beim Umstieg auf emissionsarme Mobilität helfen. Für die Autoindustrie und den Autohandel bedeutet die Koalitionseinigung mehr Planungssicherheit in einer entscheidenden Phase der Transformation – einer Phase, in der sich entscheidet, ob deutsche Hersteller im globalen Wettbewerb mit chinesischen Konkurrenten bestehen können.



So soll die Förderung von Elektroautos ab 2026 kommen:

Die Koalition hat sich auf die konkrete Ausgestaltung eines bereits angekündigten staatlichen Förderprogramms für Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen geeinigt - dabei geht es um Kauf und Leasing von reinen Elektro- sowie Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen. Damit soll der Umstieg auf klimaneutrale Mobilität unterstützt werden. 

Wie aus einem Beschlusspapier hervorgeht, soll als Grundlage zur Feststellung der Förderfähigkeit ein zu versteuerndes Jahreseinkommen auf Haushaltsebene von 80.000 Euro dienen. Laut Schneider steigt die Einkommensgrenze je Kind um 5.000 Euro. Die Basisförderung liegt bei 3.000 Euro zuzüglich Zuschläge für maximal zwei Kinder. Bei einem monatlichen Netto-Einkommen von unter 3.000 Euro gibt es eine Aufstockung der Förderung um 1.000 Euro. Die erste Stufe des Förderprogramms sei auf Neuwagen ausgerichtet, so Schneider. Das federführende Umweltministerium werde für eine zweite Stufe auch Regelungen für Gebrauchtwagen vorschlagen. 

Förderung im kommenden Jahr 

Die Ausgestaltung des Förderprogramms soll laut Papier bis Jahresende finalisiert werden. Das Programm solle schnellstmöglich im Jahr 2026 gestartet werden - vorbehaltlich der beihilferechtlichen Genehmigung der EU-Kommission. Für das Förderprogramm sollen drei Milliarden Euro zusätzlich bereitgestellt werden. Die Mittel sollen aus dem Klima- und Transformationsfonds kommen, einem Sondertopf des Bundes. Nach dem abrupten Stopp einer vorherigen staatlichen Kaufprämie für E-Autos Ende 2023 war der Absatz auf dem deutschen Markt stark eingebrochen. Bei der früheren Prämie gab es keine Einkommensgrenze.



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