Digitalisierung im Autohandel: Welche Chancen 2026 wirklich zählen
- Silvia Josten

- vor 4 Tagen
- 5 Min. Lesezeit

Der teure Stillstand: Wenn E-Autos zum Kostenfaktor werden
November 2025: Jeder Tag kostet den Autohandel im Schnitt 30 Euro für ein unverkauftes Fahrzeug. Bei Benzinern bedeutet das durchschnittlich 82 Tage Standzeit, bei Diesel 86 Tage. Doch die eigentliche Herausforderung sind Elektrofahrzeuge: E-Autos bleiben mit durchschnittlich 100 Tagen im Bestand – und werden damit zum finanziellen Risiko. Rund 30 Prozent der Fahrzeuge gelten als Risikobestand, da sie länger als 90 Tage im Bestand verbleiben.
Das ist nicht nur ein statistisches Problem – es zeigt eine fundamentale Schwäche: Während die Autohäuser mit etwa 90 Prozent geringem Interesse an E-Autos kämpfen, bleibt die Stimmung im Handel pessimistisch. Knapp 80 Prozent bewerten das kommende Geschäftsjahr als gleichbleibend oder schlechter, nur 16 Prozent sind optimistisch – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu früheren Jahren.
Die Diagnose ist klar: Der Autohandel steckt in einer operativen Krise, bei der ineffiziente Prozesse, lange Entscheidungswege und fehlende Transparenz bares Geld kosten. Genau hier liegt die Chance der Digitalisierung für 2026.
Warum 2026 das entscheidende Jahr wird
Die digitale Transformation im Autohandel kommt derzeit nur schleppend voran – mit einigen Vorreitern, aber weiterhin vielen Nachzüglern. Das bedeutet: Wer jetzt investiert, kann sich echte Wettbewerbsvorteile sichern, bevor der Markt gesättigt ist.
Die großen Branchenveränderungen
2026 bringt strukturelle Veränderungen, die den Handlungsdruck erhöhen: Die BMW Group führt den Direktvertrieb für BMW in Europa ein – nach der erfolgreichen Einführung bei MINI ab 2024. Solche Bewegungen der Hersteller schaffen neue Rahmenbedingungen und zeigen: Die Digitalisierung des gesamten Kaufprozesses ist keine Option mehr, sondern Standard.
Der Übergang von Verbrennungsmotoren zu Elektroantrieben stellt zudem eine zentrale Umsatzquelle – das Werkstattgeschäft – infrage. Gleichzeitig verändern die Bestrebungen der Hersteller, Fahrzeuge direkt zu vertreiben, die traditionellen Vertriebsstrukturen grundlegend.

Zurück zu den Grundlagen im Autohandel: Was wirklich zählt!
Nach der Zurückstellung vieler Agenturmodell-Pläne geht es bei der Digitalisierung im Autohandel wieder stärker um die Grundlagen: Automatisierung von Prozessen, Online-Terminplanung, personalisierte Mailings und virtuelle Showrooms. Diese praktischen Lösungen zahlen sich direkt aus – ohne Gimmicks, dafür mit messbaren Ergebnissen.
1. Prozessautomatisierung als Effizienzmotor
Multi-Brand-Händler, steigende Kundenerwartungen und fragmentierte IT-Systeme machen den Alltag zunehmend komplex. Viele Prozesse laufen noch manuell: von der Terminvergabe über die Reparaturannahme bis hin zur Rechnungsstellung. Medienbrüche und doppelte Eingaben bremsen den Betrieb und binden wertvolle Ressourcen.
Cloud-Lösungen bieten hier konkrete Vorteile:
Hohe Stabilität mit automatischen Backups und zertifizierten Sicherheitsstandards
Parallele Anwendungen lassen sich konsolidieren – das schafft Übersicht
Mehrmarkenbetriebe verwalten alles über eine Plattform
Automatisierte Workflows ersetzen manuelle Routinen und verkürzen Bearbeitungszeiten deutlich
Im After-Sales-Bereich verbessern digitale Terminbuchungen und automatisierte Ersatzteilprozesse sowohl die Werkstattauslastung als auch die Kundenzufriedenheit.
2. Künstliche Intelligenz als praktischer Helfer
KI wird keine Arbeitsplätze ablösen, aber es wird keine Arbeitsplätze mehr ohne KI geben. Diese Prognose aus der Branche zeigt: KI ist kein Zukunftsthema mehr, sondern Gegenwart. Für 2026 bedeutet das konkrete Effizienzgewinne durch:
Automatisierte Bildoptimierung für Fahrzeugpräsentationen
Intelligentes Lead-Management mit Priorisierung vielversprechender Anfragen
Optimierte Kundenansprache durch datengetriebene Insights
Automatisierte Datenpflege und Preisanalysen
Dialogbasierte Terminvereinbarung per Chatbot oder Voice-Bot
Wichtig dabei: Nicht jeder Prozess eignet sich für KI-Lösungen. Entscheidend ist eine sorgfältige Auswahl, um Kosten-Nutzen-Relationen im Blick zu behalten. Als Beispiel eignet sich der Räder- und Reifenprozess besonders gut für automatisierte Terminvergabe.
3. Moderne Fahrzeugverwaltung und Bestandsmanagement
Eine professionelle Bestandsmanagement-Lösung ist der Schlüssel zur Reduzierung der teuren Standzeiten. Moderne Systeme ermöglichen:
Zentrale webbasierte Plattformen für alle Fahrzeugdaten
Erhöhte Datenqualität durch automatisierte Pflege
Messbare Geschäftsprozesse mit klaren KPIs
Optimale Vermarktung durch intelligente Preisgestaltung
Professionelle Fahrzeugpräsentationen mit automatisierter Bildbearbeitung
Konkrete Handlungsfelder für 2026
Kundenschnittstellen optimieren
Kunden organisieren heute große Teile ihres Lebens vom Wohnzimmer aus. Warum sollte der Autokauf anders sein? Entscheidend ist die nahtlose Verschmelzung von digitalem und physischem Kundenerlebnis:
Webbasierte Plattformen als zentrale Dreh- und Scheibepunkte
Mobile Apps für Dialogannahme und Service
Self-Service-Portale für Kunden
Hybrid-Modelle, die freie Wahl zwischen physischem und digitalem Kauferlebnis bieten
Vertrieb und Service vernetzen
Die digitale Anbindung des Vertriebs an Aftersales-Prozesse schafft Synergien und verbessert das Kundenerlebnis. Gerade die Anzahl der zu bedienenden Systeme hat in den letzten Jahren enorm zugenommen – moderne Lösungen vereinheitlichen diese Landschaft.
Neue Geschäftsmodelle entwickeln
Digitalisierung ermöglicht auch neue Erlösquellen:
Auto-Abo-Angebote für jüngere Zielgruppen
Datengetriebenes Gebrauchtwagengeschäft mit dynamischer Preisgestaltung
Personalisierte Kundenberatung basierend auf Nutzungsdaten
Die größten Hürden überwinden
Mitarbeiter mitnehmen
Digitalisierung im Autohandel ist kein Projekt mit Anfang und Ende, sondern ein fortlaufender Prozess. Entscheidend ist, die Belegschaft mitzunehmen. Die Rolle des Verkäufers hat sich verändert – heute braucht es eine hohe Affinität für digitale Tools.
Erfolgsrezepte aus der Praxis:
Kollegialer Austausch mit anderen Händlern
Klare Kommunikation der Vorteile
Intensive Schulungen und Training
Schrittweise Einführung statt Big Bang
Technische Herausforderungen meistern
Strenge Datenschutzregeln und festgefahrene Prozesse werden häufig als Hürden genannt. Die Geschäftsführung gilt jedoch nicht als Bremser – in den meisten Fällen besteht hier Offenheit gegenüber digitalen Lösungen.
Ein Schwerpunkt auf Testing und Training hilft, viele Probleme von vornherein zu vermeiden. Dieser Fokus ist extrem wichtig und zahlt sich in reibungsloseren Implementierungen aus.
Kostensenkung als Zusatznutzen
Cloud-Lösungen und automatisierte Prozesse helfen, mit fragmentierten IT-Systemen umzugehen und dabei Kosten zu senken – gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ein entscheidender Vorteil. Weniger Komplexität, schnellere Abläufe und geringere Fehlerquoten machen sich direkt in der Bilanz bemerkbar.
Warum Warten keine Option ist
Der Fachkräftemangel macht Digitalisierung nicht nur wünschenswert, sondern notwendig. Prozesse, die heute noch manuell laufen, binden Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen – nämlich beim Kunden.
Die Kundenerwartungen steigen kontinuierlich: Menschen, die ihre Bankgeschäfte, Reisen und Einkäufe digital organisieren, erwarten das gleiche Serviceniveau auch beim Autokauf. Wer diese Erwartungen nicht erfüllt, verliert Marktanteile an digitalere Wettbewerber.

Digitalisierung im Autohandel: Ihr Fahrplan für 2026
1. Bedarfsanalyse durchführen Wo liegen die größten Ineffizienzen? Welche Prozesse kosten am meisten Zeit und Geld?
2. Priorisieren und fokussieren Nicht alles auf einmal. Beginnen Sie mit den Bereichen, die den größten Mehrwert versprechen.
3. Anbieter sorgfältig auswählen Kriterien: Funktionsumfang, Integration in bestehende Systeme, Support und Kosten.
4. Mitarbeiter einbinden Holen Sie Ihr Team frühzeitig ab. Schulen Sie intensiv.
5. Schrittweise implementieren Testen Sie ausgiebig. Sammeln Sie Feedback. Optimieren Sie kontinuierlich.
6. Messbare Ziele setzen Definieren Sie klare KPIs: Standzeiten, Prozesszeiten, Kundenzufriedenheit.
Wer zu lange wartet verpasst den Anschluss: 2026 ist jetzt
Die Investition in Digitalisierung 2026 ist keine Zukunftssicherung mehr, sondern Gegenwartssicherung. Während einige Vorreiter bereits die Früchte ihrer Investitionen ernten, kämpfen Nachzügler mit steigenden Kosten und sinkender Wettbewerbsfähigkeit.
Die gute Nachricht: Es ist nicht zu spät. Der Markt ist noch nicht gesättigt, und die Technologien sind ausgereift. Wer jetzt startet, mit klarem Fokus auf praktische Lösungen statt digitale Spielereien, kann sich echte Wettbewerbsvorteile sichern.
Die Frage ist nicht mehr, ob digitalisiert wird, sondern wie schnell und wie konsequent. 2026 wird zeigen, wer diese Hausaufgaben gemacht hat und wer auf der Strecke bleibt.
Bereit für den digitalen Wandel? Vereinbaren Sie jetzt Ihr kostenfreies Erstgespräch und erfahren Sie, welche Digitalisierungslösungen zu Ihrem Autohaus passen. Gemeinsam analysieren wir Ihre Potenziale und entwickeln einen individuellen Fahrplan für 2026:




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